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Amtsfinder

Amtsfinder

Glanz und Not in der Geschichte Galtürs

 

Unser Ehrenbürger Dr. Walter Köck war ein begnadeter Redner. Im Jahre 1989 hat er anlässlich einer Jungbürgerfeier die Geschichte Galtürs vorgetragen und damit einbeachtliches Werk geschaffen.

 

Ich hätte das Thema umkehren sollen und es „Not und Glanz in der Geschichte Galtürs“ nennen müssen, denn von den ungefähr 1000 Jahren Geschichte, sind mindestens 900 von Not, Elend, Lawinen und Hochwasser geprägt. Erst in diesem Jahrhundert beginnt sich mit dem aufkommen des Fremdenverkehrs so etwas wie Wohlstand breit zu machen.

1000 Jahre sind ein riesiges Thema. Ich werde daher einmal die nüchternen Daten im Raketentempo durcheilen, um danach einige Folgerungen daraus zu ziehen. Geschichte hat ja nur dann einen Sinn, wenn sie uns etwas zu sagen hat; „Nur, wer weiß woher er kommt, weiß wohin er geht“.
Ca. 900 vor Christus wird die erste Besiedlung stattgefunden haben. Es ist darüber nichts Schriftliches bekannt, es waren aber die Rätoromanen die über die Jöcher und Pässe der Silvretta in den Talboden gekommen sind und dort die ersten Dauerbesiedlungen gegründet haben.

1040 wird im Engadin die Burg Tarasp gebaut und 1146 hören wir zum erstenmal etwas von Galtür, als die Grafen von Tarasp, Galtürer und Fimber-Wiesen an Marienberg schenken. An Marienberg, Tarasp an Nauders, Wiesberg, und sogar an die Schrofensteiner wird Galtür im Laufe der Jahrhundert Zins- und lehenspflichtig.

1280 lesen wir erstmalig den Namen Paznaun “Niederhoven im Pazenowe“, das ist der Weiler Niederhof bei Kappl.Dann kommt das vielleicht wichtigste Datum für Galtür.

1320 zweite und entscheidende Besiedlung durch die Walser, die über das Zeinisjoch gekommen sind.

Und gleich beginnt es mit Not und Tod; 1347 – 1350, unter der Herrschaft in Tirol von Margharete Maultasch, herrscht die Pest in Galtür. Der Chronist, kein geringerer als der Abt Gaswin von Marienberg schreibt als Chronist: „Das ist eine furchtbare Krankheit, die aus Genua eingeschleppt wurde. Kaum 1/6 der Bevölkerung von Galtür überlebt.“

Fromm wie die Galtürer immer waren blieben die Religion stets die dominierende Kraft in der Geschichte und so begann man schon 1359 mit dem Bau einer kleinen Kirche.

1360 wurde das Gnadenbild von Galtür gefunden, seine Geschichte ist ja bekannt, es wurde in den Inn geworfen, irgendwo in seinem oberen Teil und kam dann nach seiner Auffindung nach Galtür. Größter Glanzpunkt ist die Vollendung und Einweihung der Kirche durch Bischof Johannes II. von Chur.

Am 24.06.1383 war dieses festliche Ereignis. Mit der Kirche wurde auch der neue Friedhof geweiht,- und dies gleich richtig mit dem Begräbnis von drei jungen Männern, die den Chroniken nach, entweder durch Bären oder durch eine Lawine ums Leben kamen. Ich glaube eher an die Lawine, wenn auch die Jahreszeit nicht ganz passt.

1406 waren die Appenzeller – Kriege. Was diese Kriege damals eigentlich bedeutet haben, ist mir völlig unklar. Ich weiß dass ich das Appenzell gegen seine Herren im Klosters St. Gallen erhoben hat, warum aber die Appenzeller dann Galtür und Landeck verwüstet haben, sie kamen sogar bis Imst – ist mir nicht bekannt, dazu bin ich geschichtlich zu wenig kompetent. 1408 ermahnt dann König Ruprecht von der Pfalz „alle Walliser uf Culture nebst Landlüte in Pazenun“ endlich Frieden zu halten, obwohl die Paznauner nicht gerade die Friedensbrecher waren.

1441 soll die Evangeli Glocke, die jetzige Sterbeglocke gegossen worden sein.

1453 ist wieder ein wichtiges Datum und ein Höhepunkt in der Geschichte. Ischgl und Galtür erhalten  die kleine Gerichtsbarkeit, was bedeutete dass die kleineren Delikte von den Ortsrichtern geahndet werden konnten. Nur die schweren die „Malefizfälle“ mussten nach wie vor nach Nauders geschickt werden. Im gleichen Jahr hören wir erstmals aus den Chroniken über große Rodungen des Waldes.

1460 darf Ischgl und Galtür zollfrei, eigenes Vieh an die vier Herrschaften jenseits des Arlbergs ausführen, aber nur eigenes Vieh, um mit dem Erlös Getreide einzukaufen. Diese Erlaubnis muss später zurückgenommen werden, weil die Paznauner Vieh aufgekauft haben, um es als eigenes zu exportieren; geschäftstüchtig waren sie ja schon immer. Herzog Sigismund von Österreich bestätigt  die bereits erwähnte freie Gerichtsbarkeit mit einem Richter und sieben Schöffen.“ Malefizsachen kommen nach Nauders, wo sieben Richter mit ebenso vielen Schöffen tätig sind.

1483 weiht der Bischof die Kirche neuerlich nach einer Vergrößerung ein, die 1480 begonnen wurde. Galtür hat nach einer Aufzeichnung von 1427 bereits 49 Feuerstätten mit 71 Haushalten. Daraus sieht man dass in einem Haus, wie es früher im Paznaun allgemein Brauch war, mehrere Familien wohnten.

1494 wird Nikolaus Ilg als erster Pfarrer namentlich erwähnt. Dann beginnt schon wieder die Not.

1499 bricht ein grausamer Bündnerkrieg aus, den die Nachbarn mit Österreich führen. Mit diesem wollen sie endgültig los von Österreich. An der Calven haben sich die Engadiner die Freiheit gegen Kaiser Maximilian erkämpft. Trotzdem rächen sich die Engadiner und die Graubündner an den Galtürern die sich auf die „Mutte“, dem Bereich der heutigen Friedrichshafnerhütte zurückziehen müssen. Die Galtürer haben sich dort tapfer geschlagen. Seither gibt es im Bereich der Mutte die Ortsbezeichnungen „Hochstreit“ – „Kriegsgarta“ und Vereineres Tal. „Bei diesem Rückzug der Galtürer wurde der Richter Geiger von den Engadinern gefangen genommen.

1500 hört man erstmals von den bis heute bekannten starken Leuten, wie „Christli – Kuhhaut“. Die Kirche erklärte den Ablassbrief mit großen Privilegien für die Wallfahrt. Dieser Brief ist immerhin von 12 Kardinälen unterzeichnet und begründet den Ruf, den Galtür damals als gut besuchter Wallfahrtsort hatte.

1505 Ischgl erhält 1505 das Mautrecht im Fimbertal für den Handel über den Fimberpass und Galtür wird es um etwa die selbe Zeit für den Transport der Güter über Futschöl – und Klosterpass bekommen haben.

1535 ist ein ganz wichtiges Datum: Das Engadin wird kalvinistisch und damit für die katholisch gebliebene Pfarre Galtür nicht mehr tragbar. Ein großer Galtürer ! : Georg Feuerstein wird 1550 Abt des Klosters St. Luzi in Chur.

1565 schenkt Jakob Unteretscher , genannt der „Etscher“ der Pfarre Galtür das „Gut am Gampele“ für den Messner. Ihr seht also, wie alt solche gewohnten Sachen sind. Nur wenig früher 1560 kommt die Schnapfenalpe an die Göfner, angeblich nach einer „schweren Krankheit“.

1565 wird Galtür endgültig von der Pfarre Ardez losgetrennt und dem Vikariat Montafon/Chur zugeteilt.

1583 verschüttet eine Lawine die „Stana“, aus der diesmal alle gerettet werden konnten. Normalerweise hören wir in der Chronik nur von Lawinen , die Menschenleben gekostet haben. Solche die nur Gebäude, Stall und Stadel beschädigt haben, sind eigentlich gar nicht erwähnenswert.

Am 03.10.1599 hören wir von dem berühmten Almabtrieb der Engadiner, über den ich später noch berichten werde.

1600 fällt  die Alpe Vermunt wider ganz in die Hände der Steinsberger. Die Geschichte Galtürs ist eng mit der Geschichte von Vermunt verbunden. Diese Alpe hat auch heute noch, sowohl als der Gemeinde gehörige Alpe, als auch Trägerin der Silvrettastraße größte Bedeutung.

1610 wird die schon erwähnte Zollstelle für die Hochpässe urkundlich nachweisbar, um dem regen Verkehr darüber gerecht zu werden. Man muss bedenken, dass damals die Grenzen noch unklar waren. Erst 1612 wurden diese zwischen Tirol und Vorarlberg und der Schweiz genau festgelegt. Die Schweiz hat darüber hinaus noch lange verhandelt., ob man diese Grenze nicht mit der des „Schweizer – Vermunt“ gleichziehen sollte. Dann würde also die Schweizer – Grenze über die Bieler Höhe gehen, und vor Partenen enden.

1613 hören wir vom ersten großen Lawinenunglück auf der „Kinge“, es werden im Laufe der Geschichte noch etliche folgen; Dabei werden 8 Personen verschüttet, von denen nur vier gerettet werden können. Schwerpunkte der Lawinenkatastrophen in der Geschichte sind immer wieder die Kinge und Tschafein

1616 verschüttet eine Lawine den Stall der „Birche“ und tötet die Frau, die gerade beim Füttern war.

1621 flammt schon wieder ein Graubündner - Krieg mit dem Haus Österreich auf.

1622 nimmt dieser Krieg für Galtür furchtbare Folgen an: Am 11.07. dieses Jahres kommen Graubündner über das Zeinisjoch und machen in Galtür bereits Brandschatzungen. Am 29.07 ziehen dann 28 Kompanien kaiserlicher Truppen über Galtür und Ischgl ins Engadin. Es führt sie ein gewisser Peter Egele. Dieser Peter Egele, gut ortsbekannt, zeigt den Truppen den Weg und die Schanzen im hinteren Fimbertal und im Val Tasna. Diese Schanzen werden umgangen und die Engadiner entscheidend geschlagen. Dafür rächen sie sich aber fürchterlich. Am 24.08.1622 rücken sie mit 400 Mann über den Futschöl und zerstören in Galtür die Kirche und 34 Häuser. Ein fürchterliches Unglück für das damalige Galtür, das beinahe vollständig vernichtet wurde.

1624 wird die schon erwähnte Evangeli Glocke von einem Kapuzinerkloster im Pretigau „erworden“, der Wiederaufbau der Kirche ist in vollem Gang. Ein schwedischer Soldat schleppt 1630 die Pest ein.

1618-1648 wütet ja in ganz Europa der 30–jährige Krieg und bringt bis in die entlegensten Täler Not und Unglück. Für die Errettung aus dieser Seuche haben die Galtürer einen Kreuzgang nach Gaschurn verlobt, die zu jedem Haus eine Person zu schicken hatte, - sonst mussten 3 Pfund Wachs bezahlt werden.

1632 werden bereits die ersten Matrikelbücher angelegt, vorerst noch ohne Todesursache bei Sterbefällen. Das vermerkt bereits damals der Chronist als Fehler. Bis in die heutige Zeit wurden dann nämlich alle Toten mit den üblichen Daten und der ärztlichen Diagnose vermerkt. So kann man heute noch sagen, an was die Leute damals gestorben sind. Heute ist es nun leider wieder so, dass dem Standesamt, wegen des Datenschutzes, die Todesursache nicht mehr bekannt ist, sie wird lediglich in einer Zentrale in Wien registriert.Die Pest im 30-jährigen Krieg wütete bis ca. 1636, keine Gemeinde blieb angeblich verschont, in Galtür erkrankten und starben ca. 25 Leute.

1638 bestätigt Kaiser Ferdinand III. in einem „Freiheitsbrief“ die 1460 erworbenen Rechte, und die Gemeinden erhalten ein Gerichtssiegel.

Mit dem Westfälischen Frieden geht 1648 der 30-jährige Krieg zu Ende. Bregenz wird von Schweden besetzt, daher fliehen viele Leute von dort und vom Montafon auf das Zeinisjoch, sodass die Galtürer auch hinaufmüssen um zu schauen, dass die Schweden nicht dorthin kommen.

1658 wird erstmals eine Schule erwähnt und 1678 bricht eine große Viehseuche aus und man beginnt mit dem Bau der Martinskapelle in Tschafein.

1673 brennt Ischgl zum größten Teil ab.

In der Geschichte der Gemeinde sind die Hochwasser fast noch dramatischer als die Lawinen.

Am 17/ 18.7.1678 überflutet ein gewaltiges Hochwasser den Weiler Tschafein und zerstört dabei 5 Häuser vollständig, auch die neuerbaute Martinskappelle wird ein Opfer der Fluten. Die tapferen Bewohner lassen sich deswegen aber nicht entmutigen und beginnen 1679 mit dem Neubau des Heiligtums.

1682/83 vernichtet eine große Lawine 3 Häuser auf der „Mais“ und fordert 5 Menschenleben. In der Chronik werden Lawinenunglücke nur dann als schwer bezeichnet wenn es Tote gibt, Schäden an Haus Stall und Stadel werden fast als normal angesehen. Wir werden später noch darauf zurückkommen, weil es sehr wichtig  für die Entwicklung ist.

1683 – 1695 erwähnt der Chronist erstmalig, dass viel Holz für die Saline in Hall geschlagen wurde.

Am 2.3.1689 fällt der gesamte Weiler Piel der „Nördlerlawine“ zum Opfer. Es gibt 11 Tote. In Tschafein sind 29 Menschen im Keller erstickt und ertrunken. In Klosters soll es am gleichen Tag 57 Tote gegeben haben.

1692 fallen die Engadiner wieder einmal ein und wüten in Galtür, diesmal aus Rache für die Taten, die die Österreicher während des 30-jährigen Kriegs gemacht haben. So mussten die Galtürer wieder einmal für Etwas büßen, an dem sie gar nicht beteiligt waren.

1697 hören wir von folgenden Namen in Galtür: „Braun, Gspan, Feuerstein, Hais, Yele, Kathrein, Lechleitner, Lenz, Mattle, Moritz, Nigg, Pfeifer, Salner und Zurell“.
Es ist interessant in der Geschichte Galtürs, dass Namen nach etlichen Jahrzehnten völlig verschwinden und dann viel später wieder aufscheinen. Wahrscheinlich wanderten viele aus und später kamen dann Sprossen dieser Geschlechter und neue Familien wieder ins Dorf.

1719 verlahnt die „Weiße Riefi“ den Ortsteil Hochegg.

1720 Die Volkszählung erfasst 127 Familien mit insgesamt 610 Einwohnern. Die erwähnte Lawine „Weiße Riefi“ forderte 4 Tote. Insgesamt hörte man von 73 Toten, in Ischgl wütete die Madleinlawine, vor allem durch eine Wasserstauung die 48 Stunden dauerte. Es wurde lang nicht aper.

1722 Am 14.3 dieses Jahres wird der „Dreiwahlige Seelenbund“ durch Pfarrer Josef Dänzel gegründet. Ein Bund der in Galtür meiner Ansicht nach, nicht nur kirchlich, sondern auch im weltlichen Zusammenleben viel Segen gebracht und die Bewohner stark zusammengebunden hat.

1724 wird eine Mission erwähnt. Interessant ist dabei, dass die Patres damals die Leute anhielten, - die Kinder sollten statt „Tati und Mama“ Vater und Mutter zu ihren Eltern sagen. Wenn ich heute dazu wieder etwas sagen könnte, würde ich anregen, wieder „Tati“ statt „Papa“ und wieder „Nona und Neni“ statt „Oma und Opa“ zu sagen.

1725/26 bringen wieder verheerende Hochwasser.

1727 erwähnt eine Engadiner Chronik, dass die Paznauner (Galtürer) den Ardezern den Viehdurchtrieb durchs Dorf verweigert haben unter der fälschlichen Angabe (unter dem fälschlichen Prätext), in Galtür herrsche eine Viehseuche. Das ist die Zeit, in der die Vergletscherung der früher aperen Silvrettapässe, vor allem des Vermuntpasses, soweit fortgeschritten war, dass ein Viehtrieb nur unter schwierigsten Bedingungen möglich war.

1730 ist eine Überquerung der Pässe im Jam und Vermunt nicht mehr möglich.

1732 ist wirklich eine Viehseuche ausgebrochen und die Leute jammern, denn der Vieherlös war damals ihre einzige Einnahme. Die Zeiten wurden daher als furchtbar schlecht bezeichnet.

1747 führt Pfarrer Josef Mattle das 40-stündige Gebet ein. So alt ist dieser religiöse Brauch schon. Auch wenn manche glauben, dieses Gebet sei nicht mehr zeitgemäß, so ist es in Wirklichkeit nicht nur ein christliches Zeichen, sondern ein Symbol der Verbundenheit mit der Geschichte des Dorfes und mit seinen Nöten und Gefahren, die jederzeit wiederkommen können. Wir leben und wirken im gleichen Galtür, in dem unsere Ahnen gelebt haben.

1754 lesen wir von einer „ordentlich Fry Schuel“ in Galtür.

1759 kauft man 1/12 Anteil der Scheibenalpe für die Pfarrpfründe.

1762 bricht wieder ein gewaltiges Unwetter über das Paznaun, Montafon und über ganz Tirol ein und auch 1763 gibt es Hochwasser.

1769 hören wir ausnahmsweise eine Sache von geringerer Bedeutung: Die „tugendbeflossene“ Jungfrau Anna Maria Zangerlin vermacht in ihrem Testament ein Ciborium (Messkelch) im Wert von 10 Kronen den Kapuzinern in Bludenz für Messstipendien im Wert von 30 Kreuzern, obwohl ein Stipendium nur 20 Kreuzer gekostet hat weil, so schreibt sie: „weder Weltgeistliche noch sonst wie Erben des Nachts aufstehen und für ihre Guttäter beten!“
Das übrige Vermögen hat sie ihren Verwandten vermacht. Diese mussten dafür aber jährlich 4 Wallfahrten unternehmen, und zwar eine nach Einsiedeln, eine nach Wies bei Kauns, eine nach Kronburg und eine nach Kaltenbrunn.

1776 – 1783 wird die Pfarrkirche barockisiert bzw. dem Rokokostil angepasst. Der Kalk dazu wurde im Larein gewonnen und gleich dort gebrannt. Dabei sind der Chronik nach 43 „Menafuhrwerke“ am 28.3 unter eine Lawine gekommen, ohne dass es jemandem etwas getan habe. Unter „Mena“ versteht man, wenigstens im Untertal, einspännige Fuhrwerke, die von einem Pferd oder Rind gezogen wurden. den glücklichen Ausgang der Aktion schrieb man natürlich dem besonderen Segen der Kirche, für die man ja arbeitete, zu.

1784 bauen die Ischgler einen Arrest und als sie wollten, dass die Galtürer finanziell mittun sollten sagte der Richter von Galtür: „Wir geben nichts, sondern wir wollen in den Arrest Leute verschaffen!“

1792 beginnt man endlich mit dem Bau einer 6 Schuh breiten Straße. Nach einem Beschluss aller Gemeinden. Im Obertal verlief sie ungefähr so, wie heute, im unteren Drittel von Ischgl und vor allem in Kappl verband die Trasse die Weiler bis Langesthei und den Glitterberg bis Wiesberg. Es wurde eigentlich nur ein besserer Karrenweg beschlossen und gebaut.

1796 -. 1815 sorgte Napoleon mit seinen Kriegen für Not und Unglück auch in unserer Heimat. Fallweise zogen bis zu 21 Landschützenkompanien und 40 Militärkompanien  durch Galtür und Ischgl. „Wer sollte es glauben, dass dieses enge Tal mit einer so elenden Straße so viele Soldaten monatelang durchziehen und Quartier nehmen können, wundert sich ein Chronist.

1769 rafften die Blattern, also die Pocken 11 Kinder dahin.

1794 Am 27.10 schreiben die Engadiner, die mit den Galtürern gute Geschäfte gemacht haben, in ihrem Stolz: „Die Leute aus diesen wilden Tälern im Norden haben uns Engadiner viel mehr nötig, als wir sie. Sie bringen uns Kleinvieh, vor allem Ziegen und beziehen Salz, Getreide, Wein, Reis und Kastanien in kleinen Mengen, nie mehr als nur einen Sack“.
Nur oben auf der Fenga (Fimberpass) und Zeblas setzte man Lasttiere ein.“

1792 legte man die beiden Gerichte in Ischgl und Galtür vorübergehend zusammen. Interessant ist die Meinung des Chronisten, dass diese beiden Gerichte nicht so sehr wegen der großen Entfernungen, als vielmehr auf ausdrückliche Wünsche der “homines dicti Walser“ (der Leute, die Walser genannt wurden) errichtet wurde, denn die Walser traten immer als ein stolzes Volk auf.

1794 entschloss man sich die Talstraße zu erweitern, dabei führte man die Trasse erstmalig  durch die wilde „G’fällschlucht“ und nicht mehr über die hochgelegenen Weiler.

1795 wurden diese Arbeiten beendet. Das 19. Jahrhundert beginnt mit einer großen Epidemie. Die rote Ruhr fordert ihre Opfer; 11 Kinder und 12 Erwachsene sterben an dieser Krankheit. Im gleichen Jahr 1800 erhält Galtür eine Orgel. Mit der Übernahme von Tirol durch die Bayern 1806, ging auch am Paznaun nichts spürlos vorüber. In Galtür wurde vorbeugend eine Kompanie aufgestellt, als die Bayern durch das Montafon zogen. Das Zeinisjoch wurde von 5 Paznauner Kompanien besetzt, die dort längere Zeit lagerten.

1809 am 24.11 entbrannte die berühmte Schlacht am Gigglertobel, wo der kampferfahrene Pfarrer Krismer aus See („weil es die Mander scheinbar nicht mehr „derpackt“ haben“) mit den „Weibern“ ins „G’föll“ gezogen ist und die Franzosen und Bayern verjagt hat. Dies hätte aber jedoch böse Folgen haben können, weil Andreas Hofer einen Tag davor bereits Frieden geschlossen hat. Die Kunde davon drang aber nicht bis ins entlegene Paznaun, sodass es zu dieser kriegerischen Begegnung kam. Nun wäre diese kriegsrechtlich eine Art Partisanenkampf gewesen und den Beteiligten drohten härteste Vergeltungsmaßnahmen, aber durch die Vermittlung des Arztes Dr. Tschallener und Pfarrer Krismer haben es die Franzosen und Bayern nicht so tragisch genommen und haben niemanden etwas getan.

Mit großem Jubel wird im Jahre 1814 die Heimkehr Tirols zu Österreich gefeiert. Doch die 4 Burschen aus Galtür, die von den Bayern eingezogen waren und mit Napoleon nach Russland zogen, blieben verschollen und kehrten nie mehr zurück. Sie wurden von Bayern rekutiert und mussten, weil diese mit den Franzosen verbündet waren, im Heer Napoleons nach Russland ziehen. Vor Moskau wurden sie von den Russen und General Winter vernichtet und geschlagen. Von den 4 Galtürern hat man nie wieder etwas gehört.

1816 wird die Trennung der Pfarre vom Bistum Chur und die Übernahme durch das von Brixen endgültig beglaubigt. Wiedereinmal gibt es eine neue Talstraße. Sie wird 1817 gebaut. Die berüchtete Nederlawine schlägt 1835 wieder furchtbar zu. In Tschafein werden 10 Menschen verschüttet und sind sofort tot, die Mutter stirbt erst später. Verzweifelt schreibt der Chronist: „Erdrückt! – Erstickt! – und vom Bache ersäuft!“ Wenn man dies liest dreht sich einem das Herz um.

Ein Chronist meint, dass um 1840 noch Romanisch gesprochen worden sei. Das stimmt sicher nicht, viel eher redete man damals in einer Walserischen Mundart. Das Revolutionsjahr 1848 betrifft mehr die Gegend um Wien. Trotzdem geht der Landsturm an die Grenzen. In Galtür wird die „Stana“ verlahnt, doch kommt die Familie, die alle verschüttet werden, mit dem Leben davon, auch 1853 geht ein Lawinenunglück dort glimpflich aus.

1856 fordert der Thypus 7 Tote.

1860 wird auf der Alpe „Krisp“ im Vermunt der letzte Bär geschossen. Die 500-Jahrfeier der Auffindung des Gnadenbilds wird 1860 mit aller Pracht begangen. 200 Menschen nehmen daran teil, 17 Priester und die Musikkappelle. Es war so windstill, dass bei der Prozession bis nach Wirl die Kerzen der Kinder hin und zurück nicht erlöschten. Das erscheint mir für Galtür fast unwahrscheinlich. Und nun nähert sich langsam die Neue Zeit und statt der bisherigen Not gibt es ab jetzt auch öfter Glanzpunkte. Die Morgenröte des Fremdenverkehrs beginnt sich anzuzeichnen;

1861 Besteigt Weilemann mit seinem berühmten Bergführer Pöll aus Mathon das Fluchthorn. Es folgen Erstbesteigungen auf Erstbesteigungen: 1865 der Piz Buin, 1866 der Litzner und 1870 die Dreiländerspitze.

Bei dem dritten Lawinenunglück auf der Stana 1870 kann der „Staner“ Johann Mattle, nur mehr tot geborgen werden. Der Schulhausbau nimmt 1876 seinen Anfang. Mit der Einweihung der Jamtalhütte 1882 hat der Fremdenverkehr nun endgültig seinen Einzug gehalten. Die Hütte war nicht bewirtschaftet, es versorgte sie der „Staner“ im Rössle, wo man sich den Schlüssel holen konnte. Die Vollendung der Arlbergbahn 1884 war sicher auch für das Tal eine wichtige Sache, doch bedeutete dies vorerst auch ein erlöschen aller Beziehungen nach Westen. Der Arlberg wird zur ersten Verkehrslinie Tirols und das Paznaun ist trotz der Bahn irgendwie abgeschnitten und in einer Sackgasse. Das Madlenerhaus wird ebenfalls 1884 gebaut. Es ist nach einem Bregenzer Alpinisten „Madlener“ benannt.

1887 ist ein wichtiges Jahr in der Geschichte, denn da wurde die von einem gewissen Handle aus Ried begonnene neue Talstraße feierlich eingeweiht. Die Organisatoren dieses Baus waren der Bürgermeister und Postwirt von Ischgl, Ignaz Heiß und der damalige Pfarrer von Ischgl Roman Schranz. Sie hatten größte Schwierigkeiten mit den Leuten von Kappl, weil die neue Trasse nun von den Weilern hoch am Berg ins Tal  verlegt wurde. Sie wehrten sich natürlich dagegen, weil sie fürchteten damit völlig abgeschnitten zu werden. Gott sei Dank, hat man es doch durchgesetzt. Die erbosten Kappler drohten dann dem Postwirt Heiß, dass sie beim Kreuzzug nach Ischgl in seinem Wirtshaus nicht mehr einkehren werden.

1888 wirft die Großtallawine die Jambach - Brücke in Stücken über den Rain hinauf. Wir wissen, dass sie das kann, haben wir es doch auch schon erlebt. In Meran wird der Dichter Johann Pfeiffer am 31. Dezember tot in seinem Bett aufgefunden, im gleichen Jahr grassiert eine Scharlach – Epidemie im Dorf.

1889 eröffnet die Sektion Heidelberg ihre Hütte im hinteren schweizerischen Fimbertal.

1890 fällt unter die Zeit der Schwabenkinder, wo Schulkinder in Ravensburg regelrecht auf einem Markt den Sommer über an Bauern verschachert wurden und schwere Arbeit leisten mussten, um ein paar Schuhe, ein Gewand und um ein Essen weniger am häuslichen Tisch. In manchen Häusern ging es ihnen gut, in manchen schlecht, fast immer aber wurden sie weinend vom Heimweh geplagt, in die Fremde geschickt. In diesem Jahr wurde nun ein Verein zum wohl der sogenannten Hirtenkinder und der jugendlichen Arbeiter gegründet. Den sogenannten „Kindsdirnen“ ging es in der Heimat auch nicht viel besser, denn die 10 – 12 jährigen Mädchen wurden unter obigem Titel von Bekannten angeworben und mussten zum Teil schwerste Arbeit verrichten.

1888 hören wir zum ersten mal von einem fröhlichen, gesellschaftlichen Ereignis in der Gemeinde, von einem Blochziehen. Auch eine „Guxe“ (Schneesturm) kann ihre guten Seiten haben. Am 10.3.1896 können die Burschen wegen so einer Guxe nicht zur Musterung und die Kinder können 10 Tage lang nicht in die Schule, etwas Erfreuliches, sozusagen auch ein Glanzpunkt.

1896 wurde die Wiesbadnerhütte eröffnet.

1899 wieder einmal die Maul- und Klauenseuche. Dann kommt der meiner Meinung nach größte Glanzpunkt in der Geschichte Galtürs:

1900 Am 26.09. kauft die Gemeinde Galtür von der Gemeinde Ardez die Alpe Vermunt um 60.400.- Franken. Dadurch wird das Tor in eine freundlichere Zukunft weit geöffnet. Und das waren die Männer dieser großen Stunde: Ignaz Lorenz, dem Chronisten Erich Lorenz nach, der treibende Teil, Gottlieb Lorenz, der Urahne der jetzigen Balluner, Zangerle Alois (Seppl’s Luis), Wohlfart Franz, Franz Walter, der Portner und Alois Walter, ein Brosis. Der Gemeinderat war sich lange nicht einig bis dann Ignaz Lorenz die Sache beschleunigte und zu seinem Bruder Gottlieb gesagt haben soll, wenn die Alpe nicht von der Gemeinde gekauft würde, dann kaufen sie Vermunt und zahlen den Preis aus der eigenen Tasche. Mit diesem weitsichtigen Entschluss des Kaufes dieser Großliegenschaft wurde Galtür vorerst einmal zur reichsten Gemeinde weitum. Die Hirten in Vermunt konnten durch die Sömmerung der Schafe und der „Neaßer“ (Kleinvieh) bezahlt werden, sodass es sich lohnte einen eigenen Schäfer anzustellen.

1900 war auch die Primiz eines Galtürers, Emmerich Lorenz, auch einer aus dem Geschlecht der Balluner. Zwischen 1900 und 1914 gab es wieder viele schwere Lawinenwinter.

1903 zeigt sich die erste Erfolgsmeldung des Fremdenverkehrs, die Jamtalhütte hat 450 Übernachtungen, die Wiesbadnerhütte schon 1000.

1904 erbringt die Alpe Vermunt 6.189 Kronen Erlös, es wurden damals 4000 Schafe gesömmert.

1906 gelingt bereits die erste Silvrettadurchquerung mit Schiern. Ein Ausländer, Prof. Jakobi, baut am „Guggerschrofen“, dem Bescheid nach eine Villa – geworden ist es eine „Alphütte“.

1907 wird der bereits erwähnte Pfarrer Roman Schranz, der Pionier der Talstraße begraben. Er war der erste Ehrenbürger aller Talgemeinden und ist sicher bis heute der einzige „pfarrliche“ Ehrenbürger“ des ganzen Paznaun geblieben. Das Begräbnis gestaltete sich typisch paznaunerisch, es war eine solche Guxe, dass die Galtürer nicht nach Ischgl kamen und umkehren mussten

1909 müssen die Paznauner zur Deckung dringender Schulden vom Postwirt Heiß in Ischgl, der Geld genug hatte, ein Darlehen aufnehmen.

1909–1910 baut man das Hotel Fluchthorn.

1911 durchsteigt der berühmte Alpinist Paul Preuß, die Litzner – Nordwand, erst vor kurzem hörten wir in „Land der Berge“ von diesem Bergsteiger. Im gleichen Jahr eröffnete die Sektion Saarbrücken ihre großartig gelegene Hütte.

1912 kam Pfarrer Iranek nach Mieming. Um seine Stelle bewarben sich damals Johann Larcher und Heinrich Knabel. Die Pfarrer mussten damals um eine Stelle anhalten und wurden dann von der Gemeinde gewählt. Da beide unbekannt waren, war die Wahlbeteiligung schwach. Pfarrer Larcher erhielt dann mit 21 Stimmen die Pfarrei.

1913 erscheint im Bernina – Verlag Chur der erste Schiführer „Silvretta“. 2/3 der Bevölkerung erkranken in diesem Jahr an Diptherie. Dr. Schranz der Sprengelarzt von Kappl, leistete 15 mal Hilfe. Er war der Vorgänger meines Vaters und nur, wer die Verhältnisse von damals kennt, kann seine Leistung, so oft herauf zu kommen, richtig würdigen. Aber ohne Pfarrer Larcher wäre es nicht gegangen, meint die Chronik. Die Pfarrer musste auch leibliche Ärzte sein. Bei dieser Epidemie starben drei Kinder und ein Erwachsener. Der Erste Weltkrieg 1914 – 1918 forderte 10 Gefallene bei 100 eingerückten Männern und Burschen. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, steht in den Büchern, was damals nicht selbstverständlich war. Dem Pfarrer fiel die undankbare Aufgabe zu, die Familien der Gefallenen vom Tod ihrer Angehörigen zu verständigen. Benedikt Lorenz, der Vater des Dekans, war der einzige Verheiratete der fiel. Am 23.12.1919 zerstörte eine Großlawine die Kinge und forderte ihre Opfer. Das ist so bekannt, dass ich nicht darüber sprechen brauche.

1920 herrscht bittere Not, daher blüht der Schmuggel. Die Paznauner schmuggeln mit Häuten, Fellen, mit Butter und Kitzen, Industrien und Großvieh. Als man einmal 2 Galtürer in der Schweiz erwischt, schickten sie ein Telegram an die besorgten Angehörigen., dass sie bei der Schweizer Armee gut aufgehoben seien.

1922 begonnen die Verhandlungen über den Bau eines kleinen Elektrizitätswerkes, vor allem mit dem Pfarrer, mit dem die Gemeinde damals ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis hatte.

1922 begräbt eine Lawine die Brüder Josef und Anselm Zangerle, vom Brandle am Zeblesjoch, beim Schmuggeln. Jetzt schmuggelt man nicht mehr nur aus Not, sondern auch aus Profitgier., meint der Geschichtsschreiber. Bischof Waitz kommt zu Fuß über das Zeinisjoch nach Galtür und wird dort von der Talgeistlichkeit erwartet. Von dort geht er an diesem Tag noch nach Mathon. Am nächsten Tag soll er wieder über das Zeinisjoch bis Gaschurn gegangen sein. Demnach mussten die Bischöfe damals gut gehen können.

1923 spendete der selbe Bischof in Galtür die Hl. Firmung, diesmal reiste er aber in einer offenen Kutsche an. Vor allen Häusern warteten die Leute um seinen Segen zu bekommen. Die Berta aus der Alpenrose sollte sich auch niederknien, legte sich aber auf den Bauch „was den Oberhirten zu einem Lächeln veranlasste“.

1925 kommen alle Pfarren Tirols zur Apostolischen Administrator in Innsbruck. Die damalige Geld-Inflation beleuchtet so richtig, dass der neue Tabernakel in Galtür 7,5 Millionen Schilling gekostet hat. Im gleichen Jahr 1925 führte Österreich die Schillingwährung ein. Man wechselte einen Schilling für 10.000 Kronen ein.

1926 rattert das erste Auto nach Galtür. Man bezeichnet es als „Tuifl auf Rädern“ die Galtürer besinnen sich ihrer Tradition und gründen die Musikkappelle wieder neu.

1927 kommen bereits planmäßige Postautos ins Dorf und die Heilbronner Hütte beginnt ihren Betrieb. Der neue Wohlstand macht sich bemerkbar, es binnen sich erste Neubauten nach Generationen: Landle, Ballunspitze, Pension Wechner, Walter Luggi, Edelweiß, Paznaunerhof und andere, in den Jahren 1927 bis 1929. um 1930 treten dann die Illwerke als Partner und neue Geldquelle für Galtür in Erscheinung.

1930/31 wird das Kleinvermuntwerk in Betrieb genommen, Josef Lorenz kauft und übernimmt Zeinis, im Winter zählt man schon einige 1000 Gäste. Wenn es wegen des Schnees schwierig wird, setzt die Post Raupenschlitten ein, die den Verkehr klaglos aufrecht erhalten.

1932 baut Eugen Walter das Bergfried, auch in der Birche entsteht ein neues Haus und der Lehrer Kathrein vollendet sein 1930 begonnenes Heim am Kirchenegg. Emma Lorenz, die Witwe des im ersten Weltkrieg gefallenen Benedikt zieht mit ihren Kindern nach Langenegg. Alle Gast- und Privathäuser sind 1932 ausgebucht. Ein Jude will in der Nähe des Widums ein Nachtlokal errichten und macht dem Josef Kathrein (Zoller) ein Angebot mit einer unglaublichen Summe.

1933 bringt die 1000-Marksperre ein fast völliges Versiegen des Deutschen Gaststroms, weil ja jeder Deutsche vor der Einreise nach Österreich 1000 Mark zu zahlen hatte. Viele, viele Wirte in ganz Tirol trieb diese Maßnahme ganz oder an den Rand des Ruins. In Galtür ging es noch halbwegs weil andere Ausländer in reichlicher Anzahl gekommen sind. Im Winter 1935 ist ganz Galtür von Lawinen eingeschlossen, eine davon geht wieder einmal auf der Kinge nieder, Josef Salner, verlahnt bei der Jamtalhütte tödlich.

1935-1937 tut man erstmals etwas zum Schutz der Häuser und baut die Lawinenschutzmauer bei Gidis in Tschafein, beim Ulrich, Lenzahäuser, Zimalis, Felis, in der Bircha, am Poart beim Arthur und beim Zimpfer. 63 muss der alte Lehrer in der Schule 1935 unterrichten. Trotz der 1000-Marksperre steht mit den Gästen 1936 recht gut. Die Besetzung ist international; Franzosen, Holländer, Tschechen, Ungarn, Schweizer und Schweden. Im zweiten Weltkrieg 1939 – 1945 fallen von Galtür 14 junge Männer, 5 bleiben vermisst. Trotz des Krieges geht die Bautätigkeit der Illwerke AG unvermindert weiter.

1940 hat man mit der Baustufe Obervermunt begonnen und arbeite mit Hochdruck an der Staumauer des Silvrettasees. Mit einer mittleren Temperatur von – 21 °C im Jänner wird 1947 zum kältesten Winter und zum kältesten Jahr. In diesem Jahr kommt der letzte Kriegsgefangene, Hermann Lorenz, von Moskau nach Hause und wird feierlich mit der Musikkappelle empfangen. Die Staumauer wird in diesem Jahr fertig, einige 1000 Mitarbeiter werden zur Zeit von den Illwerken beschäftigt.

1949 baut man den Schilift in der Böscha, der Schmid errichtet eine neue „Schmidta“ im „Büntali“ die in einigen Jahren von einer Lawine zerstört wird., die Bachüberleitungen von Fimba, Larein und zum teil beim Vermuntstausee werden langsam fertig.

1950 zählt man 2000 Arbeiter die dies zu Stande gebracht haben. Der Chronist vermerkt dazu:“ Jetzt fließt unser Wasser nicht mehr ins Schwarze Meer, sondern in den Rhein und die Nordsee!“

1951 ist die Silvrettastraße einspurig befahrbar, nach einem furchtbaren Lawinenwinter, vor allem für das Untertal. Die „Moosbacherin“ reißt Häuser nieder und begräbt Menschen. Das ganze Tal ist gesperrt. Ich selbst machte mit Schiern auf ins Obertal nach Galtür, wo einmal nicht viel passiert ist. Das alte Haus Klein-Zeinis fiel einer kleinen Lawine zum Opfer. In Tirol gab es in diesem Winter 54 Tote.

1952 machte man in Galtür, dass meines Wissens nach , letzte Blochziehen.

Am 21.03.1952  zerdrückt nach einem heftigen Schneefall ein Nassschneerutsch eine Baracke der Illwerke im Larein und tötet 7 Arbeiter, einen davon aus Mathon. Der Abtransport der Leichen gestaltete sich abenteuerlich. Erwin Walter führt 1954 zehn Rentiere aus Finnland ein, Kühe, Ochsen und Stiere, drei kommen dazu noch in Galtür auf die Welt. Sie gehen mit der Zeit alle elend zu Grunde, weil weder die Ernährung, noch die Lage passend waren. Ein großer und wichtiger Tag für Galtür war der 26.06.1954, an dem die Silvrettastraße für den Massenverkehr freigegeben wurde. Damit begann der Verkehr wieder in der historischen West – Ostrichtung zu laufen und das Paznaun ist keine Sackgasse mehr. An dieser Straße bauen die Familie Niedermeier 1954 das Hotel Piz Buin und die Illwerke 1955/1956 das Silvrettahotel. Bundeskanzler Raab ist um diese Zeit bereits zum dritten mal in Galtür. Auch wir lernen 1956 ein großes Hochwasser kennen. Der Bischof muss wegen einer weggeschwemmten Brücke mit der Kutsche nach Galtür gebracht werden. Im Bereich der Furcla del Confin ereignet sich am 07.03.1959 ein großes Bergunglück. Der Bergführer Erwin Zangerle aus Galtür wurde durch „Meuterei“ am Schiff“, so sehe ich es, von einigen seiner 12 Gästen, so nervös gemacht, dass er das Biwak in dem alle völlig sicher waren, verließ. Er wollte vermutlich einen anderen Weg suchen und kehrte nie mehr zurück. Er ist bis heute verschollen. Die Gruppe blieb leider auch nicht im sicheren Biwak, so starben 4 Menschen einen leider sinnlosen Tod. Während der Einweihung des Hotel Dreiländer am 15.12.1957 erfror am Joch, ca. 200 m vor dem Gasthaus der junge Ignaz Mattle, der vom Montafon herüberkam. Der alte „Zeinis Josef“ machte sich Zeit seines Lebens Vorwürfe, dass er ausgerechnet an diesem Tag nicht auf Zeinis war.
Um diese Zeit gab es noch andere tragische Todesfälle in Galtür. Neben Ignaz Mattle, der junge Edmund Lorenz, Wirt der Wiesbadenerhütte, den man aus völliger Gesundheit tot in seinem Stall fand und Rosa Lorenz, die junge Alpenrosenwirtin, die an einer Schwangerschaft starb.

1960 hat Galtür bereits 1400 Gästebetten und man beginnt mit dem Bau des Alpkogelliftes.
Die 600-Jahrfeier der Auffindung des Gnadenbilds wird festlich begangen.

1960/61 kann man die Silvrettastraße zweispurig befahren. Während einer Guxe 1962 stirbt der bekannte Hüttenwirt der Jamtalhütte, Albert Lorenz. Das Begräbnis und das Beten gestalten sich wegen des Schneesturms äußerst schwierig. Nach einem Seilriss der schon fertigen Silvrettaseilbahn in Ischgl kommt es doch noch zu einer endgültigen Fertigstellung. Der 12.01.1963 ist der Weihetag dieser ersten Silvrettabahn in Ischgl und der Geburtstag einer neuen Zeit, nicht nur in Ischgl, sondern im ganzen Paznaun. Die Bahn wurde vom damaligen Verkehrsminister Probst ihrer Bestimmung übergeben.

1966 gehen die Galtürer an den Bau des Schwimmbads. Die Birkhahnbahn wird begonnen, - die Illwerke bauen das Pumpwerk.

1967 braust die Großtallawine ins Dorf, vernichtet die „Schmidta“ und die Jammer-Brücke und reißt ca. 40 Autos bis zu 100m weit mit. Der einzige der in einem dieser Autos verschüttet wurde, konnte in letzter Minute gerettet werden.
Der berühmte Prof. Holzmeister vergrößert 1968 die Kirche auf großartige Weise.

1969 bringt uns wieder einen Bundespräsidenten, diesmal Präsident Jonas, nach Galtür ins Rössle. Er kommt von der Einweihung des Kopsstausees. Wiederum kommt es zu einem schweren Lawinenwinter, in dem die „Pritza Maria“ in ihrer „Pritza“ verschüttet und getötet wurde. Die Straße wird in diesem Jahr von 13 Raupen geräumt. Präsidentenbesuch gibt es wieder 1977, wo uns Präsident Kirchschläger die Ehre gibt.

1977 eröffnet Bundeskanzler Kreisky persönlich die Fimberbahn in Ischgl.

1979 wird die sehr schön gelegene Waldkappelle am Eingang zum Larein eingeweiht. Das Widum mit dem Pfarrzentrum kann 1980 geweiht und eröffnet werden. Damit beende ich in diesem Düsenjet gemachten Ausflug in unsere Geschichte.

Und nun meine lieben Freunde, was sagt uns diese Geschichte der Katastrophen auch, von wo wir kommen und von wo wir stammen: „Besiedelt zuerst von den Rätoromanen, lesen wir und fragen uns, was war das für ein Volk ? Die Römer eroberten den Alpenraum um Christi Geburt und trafen so auf die dort seit Jahrhunderten wohnende Urbevölkerung, die Rätier. In den ca. 400 Jahren der römischen Besatzung vermischten sich Romanen und Rätier zu dem Volk, dass wir eben die Rätoromanen nennen. Diese kamen dann eines Tages über die Silvrettapässe in unsere Hochtäler Fimber, Jam und Vermunt bis zur Trisanna und gründeten dort die ersten Dauersiedlungen. Über diese Zeit weiß man nichts genaues, daher sind Vermutungen erlaubt. Wir lernten in der Schule immer, dass der Name Trisanne (Tri = drei / Sanna = Bach) „Drei Bäche“ bedeute, das stimmt natürlich nicht, denn welcher Bach hätte nicht drei Ursprünge. Manche Forscher meinen der Flußname käme von dem klangvollen „Val Drusiana“ Tal des Drusus). Dieser Drusus war immerhin einer der beiden Schwiegersöhne, des aus der Bibel bekannten Kaiser Augustus, die das Römerreich bis weit nach Deutschland hinaus kriegerisch vergrößert haben.

Diese Rätoromanen haben zwar die ersten Dauersiedlungen und mit Sicherheit die Orte Galtür und Ischgl gegründet, sie gaben auch den Bergen und Almen und Fluren ihre klingenden „romanischen“ Namen und zwar im ganzen Tal (auch in Kappl und See sind diese Bezeichnungen rätischen Ursprungs) – trotzdem wurde ein anderer Volksstamm für das Obertal viel wichtiger – das waren die „Walser“.

Wer waren  nun diese Walser? Wir lesen in der Chronik: Die Walser: zwischen dem ewigen Eis, am Gletscher der Jungfrau und des Monte Rosa, im Reich der Burgunder, bildete sich im obersten Rhonetal aus eingewanderten Schwaben ein besonderes Völklein. Das Lande dieser Walser wurde dann in vielen dieser Kriege besetzt, sogar von den Sarazenen, von 60 Burgen aus wurden Raubritter gesandt und die Adeligen waren gegen die Freiheit dieser Einwohner. Als dann dazu noch eine große Dürre ausbrach, suchten sie sich andere Siedlungsgebiete und kamen dabei im 13. und 14. Jahrhundert ins Rheintal, wo sie gut aufgenommen wurden. Den Grafen von Montfort in Vorarlberg wurde bald ihre Tüchtigkeit bekannt und sie beriefen sie zuerst zu Kriegsdiensten ein. Bald aber schickten sie diese Walser in die romanischen besiedelten Hochtäler, um den Leuten dort rationelle Landwirtschaft und Viehzucht zu zeigen. „Sie bauten Höfe und Dörfer, wo vorher nur die Hütte des Jägers war.“ 1320 lesen wir von „homines dicti Walser“ (Leute, die Walser genannt wurden) und 1408 spricht die Chronik von „Alle Walliser uf Galthüre.“ Sie waren freie Bauern, also keine Leibeigenen, was damals nicht selbstverständlich war. Dazu kamen sie den Herren noch sehr billig, weil sie den Walsern nichts zu geben brauchten indem sich die Walser ihre Getreide selbst eintauschten. Die Geschichte Galtürs ist wesentlich vom Klima beeinflusst worden. Dieses Klima war und  ist wechselhaft, wir wissen aus eigener Erfahrung, dass alle Extreme möglich sind:

1674 hören wir von einem frühen Sommer, alles war einen Monat früher.

1689 herrschte ein schwerer Winter, während der 1710 als ausgesprochen warm bezeichnet wird. Die Ziegen konnten bis „Stefani“ auf der Weide bleiben.

1718 wird als gutes Jahr geschildert. Die Bohnen blühten in Ischgl schon ganz früh und auch der Roggen gedieh vorzüglich. Dafür klagte man ein Jahr später 1917 über Heunot, während 1724 der Winter so warm und mild wurde, dass man bis zum 14.2.1725 das Heu aus den Bergmähdern tragen musste.

1749 kommt der Frühling so spät ins Land, dass die Bauern ihr Vieh bis Juli im Stall füttern mussten., dasselbe war schon 1728 nötig, als am 19. September ein großer Schnee Wege und Weiden zudeckte. Damals jammerte man zusätzlich noch über einen enormen Schaden durch Mäuse.

Das 19. Jahrhundert  war nicht anders, Extreme über Extreme.

1891 fand man den Junggesellen Christian Pfeiffer tot im Bett auf, fast hätte eine Guxe das Begräbnis im Februar unmöglich gemacht. Es viel damals so viel Schnee, dass bei der Prozession nach Tschafein, am Markustag noch kein Zaun sichtbar war.

1895 hören wir von einer Seltenheit von einem „Furchtbar heißen Herbst“ dafür wüten am Fest Maria Namen so starke Gewitter, dass Schneevögel und Vieh erfroren sind. 1998 kommen die Kinder wegen einer Guxe 10 Tage nicht in die Schule. Das Klima von Galtür und damit auch die Geschichte wurde wesentlich davon bestimmt, dass der bisher apere Vermuntpass so stark vom Schnee bedeckt wurde, dass ein Viehtrieb von Jahr zu Jahr gefährlicher und mit der Zeit unmöglich wurde. So mussten die Engadiner mit den Galtürern verhandeln, dass sie die Triebe durch Galtür und über den Futschölpass treiben durften. Da es wegen Vermunt schon jahrhundertlange Streit gab, ließen die Galtürer den Viehtrieb nicht zu, so kam es 1599 beinahe zum Krieg. 30 Engadiner Sennleute und Hirten wollten mit 400 Rindern durch Galtür über den „Fetschiel“. Die Galtürer lehnten, wie gesagt ab, vor allem weil sie einen Teil der Alpe Piel, so nannte man das Vermunt damals, haben wollten, was wiederum die Ardezer nicht taten. Misstrauisch wie man aufeinander war, trauten die Galtürer dem bloßen Verbot nicht, stellten Wachen auf und gingen ins Wirtshaus. Wirklich wollten die Engadiner den Durchgang erzwingen und zogen mitten in der Nacht durchs Kleinvermunt nach Galtür.
Die Galtürer brannten darauf hin „Kreidefeuer“ ab, haben ihre Streitwaffen gezückt, zogen gegen die Bielerhöhe und warfen die Engadiner zurück, wobei nur zwei Rinder verletzt wurden. Die Ardezer mussten dann mit ihrem Vieh wohl oder übel über den Gletscher und hatten „Käserin oder Täga“ (Taya) die so mit Brettern bedeckt gewesen sind, abgedeckt und über Ferner oder unsicheren Stellen , Pruggen geschlagen, und das im Oktober. Auch dabei ist nichts besonderes passiert.

Der kälteste Monat in Galtür war der Jänner 1947 mit –26,1 °C Normalerweise haben wir 193 frostfreie Tage, die Vegetationsperiode ist von Juni bis September. Der heißeste Monat war der Juli 1947 mit einem 50-jährigen Maximum von 27,9 °C. Neben dem Klima ist der Wald ein wichtiger Punkt in der Geschichte und im Leben von Galtür. Er war und ist ein großes Problem. Der „Zimalis Anton“ hat einmal gesagt, die Walser haben ein gestörtes Verhältnis zum Wald gehabt. Er hat nicht ganz unrecht, aber es waren nicht nur die Walser. Jedenfalls heißt es von den Ureinwohnern, dass Galtür an einem waldigen Ort gelegen war. Nun schlugen schon die Engadiner und dann die Walser den Almen – und Wiesengürtel in den reichlich vorhandenen Wald und machten damit den Anfang mit einer jahrhunderte dauernden Entwaldung.

Viel Holz wurde auch für die „Salzpfanne“ in Hall geschlagen. Es seien oft bis zu 30 Holzknechte jahrzehntelang im Obertal gewesen, um Bäume für die „Saline“ zu fällen. Eine geregelte Waldwirtschaft gibt es ja eigentlich erst seit kurzer Zeit, vielleicht seit 50 bis 70 Jahren. Bis dort war der Wald das Eigentum der Gemeinden, ab dem man sich am leichtesten schadlos hielt, und den  man auch am raschesten zu Geld machen konnte. Im Untertal gehören heute noch große Waldanteile dem Staat,  dem „Aerar“ , der Gemeinde Grins, Landeck und Fiss. Wenn man damals Schulden hatte, hat man diese einfach mit Wald abgezahlt. Bei den Walsern stand die Waldwirtschaft eindeutig im Schatten der Weidewirtschaft. Große Rodungen in der Talregion und die Ausdehnung der Almweiden  drückten die Waldgrenze herab. Da die Walser fast nur Viehzucht betrieben haben, brauchten sie viel Grünland, auch die Almwirtschaft verschlang eine große Menge an Nutz- und Brennholz. Daher waren große Brandrodungen nötig, die leider in gewaltigen Ausmaßen durchgeführt wurden, aber nicht wegen der Bären wie vielmals gesagt wurde.

Zu dem gesellte sich eine Klimaverschlechterung. Um den gleichen Ertrag aus einem Anwesen herauswirtschaften zu können, mussten die Galtürer Bauern die früheren Weidegründe zu Feldern und einen Teil des Waldgürtels zu Weidegründen machen. Dazu musste der Wald, ich stellte mir das jedenfalls so vor, etwa im Bereich der jetzigen „Reichi“ über dem Gampen (der vielleicht vorher Weide war) abgeholzt oder abgebrannt werden.

Der Wald war in der Geschichte kostbar und es gab bereits im 17. jahrhundert Bannwälder, nachdem 1551 (Silberbau in Mathon) und 1556,1682 und 1800 große Schlägerungen  durchgeführt wurden, sodass mit den Almrechten, dem Hut und Almzwang, den Schneeflucht, Holzbezugs- und Waldweiderechten der Wald von 1174 – 1880 stark zurückging. Dann kamen noch die zum Teil dadurch entstandenen Lawinen dazu, sodass Galtür in den letzten Hundert Jahren, wenn man den Berichterstattern glauben darf 85 % seines Waldes verloren hat. Wir wissen es alle, richtigen bis in die Kahlregion reichenden Hochwald gibt es nur mehr am Maaswald, der teilweise bis an den Predigtberg reicht. Mit der Ackerfläche war es nicht viel anders. 1858 hatte Galtür noch 4 Hektar Äcker, denen heute winzige 30 Ar Gartenflächen entsprechen. 30 Zentner Sommergerste und 600 Zentner Kartoffeln waren der Ertrag vor hundert Jahren. Sturmwinde mit Verwüstungen sind in der Geschichte keine Seltenheit, einen haben wir ja alle erlebt, den in Wirl. Von einem Sturm gewaltigen Ausmaßes berichtet die Chronik am 31.08.1825. In den Bergmähdern wurde das Heu weggetragen, das Gras aus den Wurzeln gerissen und das Wasser aus den Rinnsalen getrieben. Die stärksten Männer haben sich auf den Boden geworfen. Im März 1898 brauste ein fürchterlicher Fönwind, der die Häuser am Port, in Tschafein und in Wirl beschädigt hat. Von den Lawinen will ich weiterhin nicht mehr sprechen. In  einer von Hofrat Leys gemachten Zusammenfassung heißt es, im Paznaun gäbe es 139 Lawinenzüge, die bis ins Tal gehen. Von diesen seien 89 jährlich zu erwarten. In der Zeit von 1383 – 1970 hätten diese an Opfern gefordert: 102 Verschüttete und 59 Tote! Noch dramatischer als die Lawinen zeigte sich oft das Hochwasser. Ich lasse die Chronisten nur über eines dieser Ereignisse berichten: Juli 1762, am Donnerstag 3 Uhr nachmittags bedeckten schreckliche Wolken den Himmel., Regen auf beiden Seiten es Zeinisjoches , Winde und Stürme brüllten, von allen Hängen und Bergen kamen Wasser und Getöse zu Tal. Riesige Felsblöcke, die stärksten Bäume, wälzten sich die Berge hinab. Die Wildbäche der beiden Täler, Jam und Vermunt brachten Schlammmassen und Wasser, zerstörten die Felder, Wege und Pfade und rissen Gebäude, Stall und Städel mit sich fort. Alle Brücken von Zeinis bis Hall wurden bis auf drei fortgeschwemmt. Halbnackte Menschen rasten durcheinander, um in aller Eile ihr Hab und Gut, ihre Angehörigen und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Der Schaden belief sich nach einer Schätzung des Magistrats auf 10.333 Gulden, das wären heute Milliardenbeträge. In Ischgl wurde der Weiler Paznaun zerstört und am Brenner fielen drei Häuser und eine Schlosserschmiede den Wassern zum Opfer. Noch entsetzlicher war der Anblick im Montafon, wo 95 Häuser fortgeschwemmt wurden. In Feldkirch fuhren die Leute mit Booten durch die Straßen und um in ihre Häuser zu kommen mussten sie durch höhergelegene Fenster steigen. Die vielen Kriege, von denen Galtür so oft direkt betroffen wurde, waren immer Randerscheinungen großer europäischer Ereignisse und Auseinandersetzungen, die heute schwer zu rekonstruieren und zu deuten sind.

Bei diesen grausamen Zusammenstößen waren die Galtürer auch keine gerade „hofeligen“ Kriegsführer.

Einmal wurde dabei ein Engadiner niedergeschlagen, sodann wurde er in den Johann Salnerschen Anger hinuntergeworfen, das Maul mit Pulver ausgefüllt und angezunden, welches er sogar aber wieder mit den Händen von der Zunge gekratzt hat, sodann mit Spieß und Hellbarde durchs Herz in die Erde gesteckt, welche er selbst wieder herausgezogen. Aus „Rach Gottes“ hat er lang nicht sterben und ab der Welt kommen können! Dafür dass er nicht aufgeben wollte, strafte ihn Gott scheinbar mit einem langen Leben.

Die schweren Epidemien und Infektionskrankheiten, wie Typhus, Diphterie, schwarze Blattern (Pocken) und Pest hatte in so einem kleinen Dorf große gesellschaftspolitische Auswirkungen. Diese Krankheiten rafften oft so viele Menschen hinweg, dass Mangel an Arbeitskräften die Güter und Almen sehr „wohlfeil“ wurden.

So kam es zum Beispiel : Zwei Brüder in Tschafein, denen ein großes Bauerngut und ein Pferd zu stand, fiel es schwer , zu wählen, weil eigentlich jeder lieber das Pferd, als das Anwesen gehabt hätte. Eine ähnliche Geschichte erzählt man auch über den Verkauf der Schnapfenalpe an die „Göfner“. Das dürfte aber nicht stimmen. Richtig ist es aber dass die Bauerngüter wegen der Entvölkerung durch die Seuchen nichts mehr wert waren. Diese Krankheiten waren schrecklich, sie sind erst durch die Impfungen besiegt worden.

Trotz Not und Unglück konnte der Humor nicht ausgerottet werden. Ein Fröhliches Gedicht aus alten Tagen, dass die alten Galtürer zum Kirchgang einlädt, sei ganz angeführt:

„Nun sollen kommen, die am Gampen
und alle dort in die Kirche trampen
Doch der alte Schuechter auf dem Poart
kann sitzen bleiben an seinem Ort!“

„Hört ihr Lüte und loßt euch sagen
auf meiner Uhr hat’s 8 Uhr geschlagen
Bald muss ich den alten Herren in die Kille tragen,
weil er will Messe haben.“

"Die Buren auf der Kingen
können mir helfen bei der Mess
zu singen denn mit mir allein
mochts übel klingen, und die Lüte
aus der Kille springen.“

"Die alten Weiber unter dem Gorfen
gehören zu denen ausser Tschafein
aus diese müsse zur kille kommen
sonst gehören sie nicht zu den Frommen."

„Weiter sollen kommen die von
Tschafein und die Lüte bei dem
großen Stein, auch die Nachburn
auf Gafelar und sonst überall har“

"In gleichen müssen erscheinen die von Wirl,
noch vor ich sperr das Kirchentürl.
Mit ihnen kommen auch zur Kirche
der große Bauer in der Birche.“

„Zuletzt sollen kommen die
Unterm Rain mit denen sonst
noch dorten sein.
Endlich die auf der Mais
samt allem Lumpengeschmeiß!“

Der Schmuggler war in den Nachkriegsjahren nach beiden Weltkriegen eine wichtige Einnahmequelle und brachte zum Teil viel, immer aber schwer verdientes Geld ins Haus. Wie mir der alte Wegmacher Emil in Tschafein erzählte, war das Problem nicht einmal sosehr über die Pässe ins Samnaun und Engadin zu kommen und die Schmuggelware sicher herzubringen, - die Schwierigkeiten begannen erst da. In diesen schweren Jahren konnte die Ware nämlich weder im Paznaun, noch in Landeck abgesetzt und verkauft werden. Daher mussten Schmuggler nach den durchgemachten Strapazen noch einen zusätzlichen Weg über das Verwall in Kauf nehmen.

Von einer anderen bösen Sache ist nicht viel Genaues zu erfahren. Da sei es beim Kirchenputzen zu einem offenen Streit gekommen in dem ein „roter und ein schwarzer“ Balluner verwickelt gewesen sein soll. Der Streit sei zu einer regelrechten Schlacht in der Kirche ausgeartet – und es soll sogar Blut im Gotteshaus geflossen sein, sodass man die Kirche habe neu einweihen müssen. Was früher bemerkenswert war: 1722 hat ein „Türk aus der Tartarey“ ein großes Kameltier nach Ischgl gebracht und gegen Bezahlung anschauen lassen.

Bis heute hat sich die Sage oder Erzählung von starken Leuten erhalten. Christian Bernhards ist so ein Kraftmensch gewesen; Er hat eine Kuh die am Tritt in den Bach gefallen war, mit bloßen Händen herausgezogen und wurde deswegen „Christli Kuhhaut“ genannt. Seine Kraft war so stark, dass sogar Erzherzog Friedrich von ihm hörte. Er lud ihn darauf hin nach Innsbruck ein, wo er mit bloßen Händen gegen einen Gegner in Hanisch kämpfen musste. Diesem schlug er aber mit einer Latte bzw. einer Dechisesel einen Fuß ab. Als man daraufhin einen Hund auf ihn hetzte, erschlug er erst den Hund, - und mit dem toten Hund schlug er noch wild um sich. Der Kampfplatz sei nahe der Kirche gewesen und der Erzherzog sei auf den rauen Kämpfer gar nicht gut zu sprechen gewesen. Christli Kuhhaut sei später an einer kleinen, lächerlichen Wunde gestorben.

1705 starb in Ischgl ein gewisser Peter Hauser. Er wird deswegen in der Chronik erwähnt, weil er 6 Frauen nacheinander geheiratet hat, da sie alle früh starben. Als er die 7 heiraten wollte, starb diese noch im Brautstand; daraufhin blieb er Witwer.

Es ist sicher nicht wahr, aber es werden Geschichten von „Gehern“ berichtet, die unseren besten Läufer in den Schatten stellen würden; Ein Martin Kathrein von Ischgl sei mit einem Damian Braun von Galtür in 24 Stunden nach Innsbruck gegangen. Ein Bote sei in einem halben Tag von Chur hierher und weiter nach Innsbruck gegangen und Jakob Nonn, Wirt in Galtür, habe die Strecke Galtür – Chur und zurück in einem Tag zurückgelegt. ????????
Die Luftlinie Galtür – Chur beträgt immerhin 80 km.

1860 wurde im hinteren Vermunt in der Alpe Krisp der letzte Bär erschossen, ich erwähnte es bereits. Manche glauben auch, dass wegen der Bären und der Angst von ihnen, die Wälder um Galtür so radikal gerodet worden seien, sicher eine fromme Ausrede!

Über die große Glocke wissen wir, dass sie 1624 von Reinhart in Innsbruck gegossen wurde. Die Evangelienglocke, seit kurzer Zeit  wieder unsere Sterbeglocke, hören wir, dass sie 1441 gegossen worden sein soll. 1643 wurde sie dann von den Galtürer aus dem Kapuzinerkloster bei Klöstere im Pretigau gekauft oder anderswie erworben.

Über die Galtürer wurde aber nicht überall so positiv geurteilt, wie ich es vorhin tat. Ein Reiseführer schreibt im letzten Jahrhundert:“ Es ist schon ein merkwürdiger Kontrast zwischen dem Montafon und und dem Paznaun!“ das lassen wir uns geografisch ja gefallen, doch dann kommt es persönlich: „Doch wie das Land, sind auch die Leute verschieden. Zwar sind der Montafoner und der Galtürer eines Geschlechts, aber doch macht sich der Unterscheid zwischen montafonerisch und tirolerisch bemerkbar. Der Montafoner ist nüchtern, sparsam und fleißig. Im Wirtshaus hört man ihn selten singen, noch lärmen. In Galtür, dem entlegenen Paznauner – Dorf, das kaum einige Häuser zählt, kann man zur Tages- und Nachtzeit mitunter das Wirtshaus voll zechender, oft betrunkener Gäste treffen. Zum melodischen Klang der einheimischen Zither werden fragwürdige „Schnadahüpfeln“ und „Stanzeln“ gebrüllt, Flasche um Flasche entsteigt dem Keller und unwillkürlich fragt man sich, ob es nicht auf dem Scheitel unbewachter Grenzjöcher außer Schnee- und Eisgraupen auch die Guldenzettel schneie, die da unten verjubelt werden!“. Ein wildes Urteil!!!!

In den Gerichtsakten von Ischgl hören wir es nicht besser; Um 1820 herum muss es sogar in der Kirche arg zugegangen sein, denn 1883 rügt der Landrichter von Ischgl die Galtürer mit nicht minder scharfen Worten: „ Mit Missfallen muss das Landgericht bemerken, dass die Gemeinde Galtür entartete Söhne besitzt, welche sich herbeilassen, in der Kirche die Religionsausübungen zu stören um sonst Ärgernis und Mutwillen zu treiben. Es wurde damals in den Häusern heimlich Branntwein ausgeschenkt, die ganze Nacht gesoffen, wobei beide Geschlechter gleich schlecht waren. Man erwartet da zwar von diesen sittenlosen Menschen keine Besserung ihres Herzens, doch soll und darf ein solcher Unfug, den sich weder Haiden noch Türken erlauben würden, nicht länger geduldet werden“. „Wie habt ihr Galtürer euch gebessert, müsst ihr euch das heute von einem Ischgler sagen lassen!?“:

Sie trugen ihre Kraxen und Rucksäcke über die „Mutta“ auf der damals noch keine Friedrichshafnerhütte stand, über das Schafbüheljoch auf die Konstanzerhütte. Dort kam ihnen der Hotelier Schuler aus St. Anton mit einem zweirädrigen Karren entgegen und nahm ihnen die Ware ab. Das war wirklich hart und trotz allem ehrlich verdientes Geld.

Über die Geschichte der Pfarrkirche will ich mich kurz fassen:

1359 Bau einer kleinen Kirche, die abenteuerliche Sage über das Gnadenbild setzte sich als bekannt voraus.

1383 feierliche Weihe durch den Fürsterzbischof von Chur. Als Reliquien birgt der Hochaltar: Holz vom Heiligen Kreuz, etwas aus dem Gürte von Mariens und etwas von ihr Gekochtes (Mus?), kleine Teile der Apostel Bartalomäus und Andreas, etwas vom Hl. Valentin und Erasmus, Blut der Unschuldigen Kinder mit Gebeinen und dem Stab des Hl. Nikolaus. Die Kirche wurde schon 1480 renoviert und in ihrer langen Geschichte immer auf dem neusten Stand der Kunst gehalten, sie ist auch heute ein Juwel der Landkirchen. Sie blieb immer der Mittelpunkt des Dorfes und war und ist nicht nur das Zentrum des religiösen, sondern auch das Zentrum des politischen Lebens in Galtür. Die Kirche hält in guten Zeiten, vor allem aber in Not und Gefahr das Dorf zusammen. Gott gebe es, dass auch die nächsten Generationen die Kirche nicht verlassen. Ein wesentlicher Faktor des kirchlichen Lebens in Galtür ist der sogenannte „Dreiwahlige Seelenbund“. Mit seinen drei Möglichkeiten (dreiwahlig) den Toten zu helfen, schweißt er, so alt er auch ist, die Gemeinde zusammen.
Das Beten an der Bahre des Toten in seinem Haus, an dem jede Familie teilnimmt, baut Feindschaften immerhin soweit ab, oder lässt sie schon gar nicht entstehen, dass ein Galtürer das Haus eines anderen nicht betreten würde; sei geschehen was wolle!

Der ganze Totenkult, vor allem das Tragen der schwarzen Totenkleider der weiblichen Angehörigen, wird von jungen Leuten vielfach belächelt. Sicher ist das „Trauern“ in seiner dramatischen Form nicht mehr zeitgemäß, wenn man bis zu 1 Jahr schwarz gehen muss, andererseits ist es aber doch eine Anerkennung dem Toten und vor allem der Familie gegenüber. Und was ich heute dem Tod tue, das tut man vielleicht auch mir einmal. Dies alles ist eine gewaltige Sache, die das Dorf zusammenhält und nicht umsonst sagen die übrigen Paznauner, die Galtürer seien die Frömmsten im Tal. Sie meinen damit vielleicht nur, dass hier wenig echte Feindschaften sind. Die Alten waren auch gute Beobachter des Sternenhimmels.

1681 wurde ein großer Kometstern registriert. Tatsächlich handelte es sich um den berühmten „Halleyschen Kometen“.

1718 hören wir wieder von einem hell glänzenden Stern mit einem feurigen Schein, der in den Häusern so leuchtete, dass man meinte, es brenne.

1719 sieht man wieder einen Kometen, während 1785 so ein gewaltiger Sternschnuppenfall registriert wurde, dass es schien als wollten die Sterne vom Himmel fallen, auch ein prächtiger Sonnenring erregte die Bewohner.

Die Lebensader des Tales, ist heute die Straße. Noch vor 100 Jahren schreibt Weilemann, der Erstbesteiger des Fluchthorns über den damals besseren Karrenweg:“ Für Brücken und Wege haben die Leute hier kein Geld, sie haben nur den Himmel im Auge. Durch Erstellen von Kappellen und Kalvarienbergen bahnen sie sich zu ihm den Weg. Die KK Post zwischen Landeck und Ischgl hat seit ihrem Bestand (1865) nur einen Passagier aufzuweisen und der benützt sie des Jahres nur zweimal, nämlich bei seiner Reise nach  Ischgl im Frühling und seiner Rückreise nach Landeck im Herbst“.

Die uralten Handelswege, die damals wichtiger waren, als der Arlberg gingen über den Malojapass ins Engadin und von dort über den Fimber und Futschöl nach Ischgl bzw. Galtür und dann über Zeinis oder das Klostertal bis ins ferne Veltlin. Im Silvretta-Staussee liegt ja, dass uns allen bekannten „Veltliner-Hüsli“. Über den Futschöl sind lange Züge von Saumpferden und kleine Wagen gefahren. Ein großes steinernes Wirtshaus für die Allgemeinen Bedürfnisse ist angeblich 1817 gesehen worden und ein Marktplatz für die Viehmärkte habe sich im hinteren Jamtal befunden, wo sich Leute aus Vorarlberg, Engadin und Tirol getroffen haben.

Wie wir schon hörten ist die heutige Straße und Trassierung in der heutigen Form 1887 eingeweiht worden. Ihre Motoren waren der Pfarrer und Der Postwirt von Ischgl, Schranz und Heiß. Die neue Zeit der Straße brach aber an mit der Eröffnung der Silvrettastraße 1953.

Die soziale Lage in  Galtür, war sicher so, dass bis in die neueste Zeit mehr Not, als Wohlstand geherrscht haben. Die Geschichtsschreiber meinen zwar, dass während der Zeit des Handels sogar Reichtum in den Häusern gewesen sei. Es fragt sich dabei nur, ob es allen, oder nur den Handelsleuten gut gegangen sei. Diese mussten sich nämlich mit den, für einen kleine Mann unvorstellbaren Summen von 7.000.- bis 10.000,- Kronen in die Gesellschaften einkaufen, um überhaupt liefern zu dürfen. Wenn man dann überlegt, dass eine Kuh damals 7.- Kronen, ein Pferd ca. 25.- Kronen gekostet haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich ein einfacher Mensch so etwas hat leisten können.

Die Schnapfenalpe, die Mitten im Gebiet von Galtür liegt, und den östlich Teil des Jamtals bis zu Futschöl umfasst, gehört interessanterweise der Gemeinde Göfis in Vorarlberg. Es gibt viele Meinungen, wie sie dahin gekommen sei. Eine davon ist die: Es heiratete eine Weibsperson einen Grasp in Bartholomäberg. Der Sohn dieser Weibsperson begann ein schweres Verbrechen, weshalb er der Gemeinde Göfis, die von der Mutter geerbte Alpe im Jam zu kaufen gab. Der andere Teil gehörte dem Jakob Geiger von Galtür, der einen Teil 1560 ebenfalls der Gemeinde Göfis verkaufte.

Bei einem neuerlichen Verkauf dieser Alpe darf sie auf keinen Fall den Engadinern, sondern nur den Galtürern verkauft werden.

Die Alpe Vermunt war jahrhunderte lang der Zankapfel zwischen Ardez und Galtür. Mit dem Kauf diese Großobjekts wurde sicher ein Meilenstein in der Geschichte Galtürs gesetzt. Die ganze weitere Entwicklung des Dorfes und der Gemeinde ist eng mit diesem Ereignis verknüpft.

Der Hotelier Günther Aloys hat in seinem Büchlein über Ischgl die Bewohner und ihre Entwicklung mit „Hirten, Händler, Hoteliere“ gut charakterisiert. Der Fremdenverkehr in Galtür ging ähnliche, wenn auch nicht so stürmische Wege.
Schon vor dem ersten Weltkrieg, besonders aber danach hat der Kranz von Hütten um Galtür viele Gäste angelockt. 1924 berichtet man von 120.

1926 – 1928 hören wir von guten Saisonen, seit 1927 verkehren ja schon regelmäßig die Postautos. Von einer anderen Warte gesehen; Der Pfarrer Kathrein schreibt, dass 1932 alles boomvoll ist, sodass die Einheimischen ihrer Gäste Wegen im Keller und Stadel übernachten. Es seien einige Tausend Fremden gekommen. Der Pfarrer kann dies nicht überwinden, auch nicht das die Kriegswitwe, Emma Lorenz, ihre kleine Landwirtschaft um 56.000 Schilling an ihren Schwager Ignaz Lorenz verkauft. „Miraculum inauditum“ schreibt er dazu „Unerhörtes Wunder“ in Langenegg kann sie um 35.000 Schilling ein Gasthaus mit Feld für 6 Kühe kaufen, wo sie hier nur 2 füttern konnte.

Auch die Lebensmittel seien durch den bösen Fremdenverkehr so in die Höhe getrieben worden und dadurch so teuer geworden, dass „exemplum grave“ (zum Beispiel) eine Flasche Bier in Galtür 90 Groschen, in Innsbruck dagegen 40 Groschen und ¼ l Wein in Galtür 80 Groschen, in Innsbruck aber 50 Groschen gekostet habe. Eine wichtige und fast einmalige Angelegenheit ist es, dass in Galtür das Kahlgebirge nicht, wie sonst fast überall dem Staat, sondern der Gemeinde gehört. Am 20.03.1914 verzichtet in einem Vertrag der Gemeinde das „K u. K Ackerbauministerium und die K u. K Forst- und Domänendirektion Innsbruck, namens der Staatsverwaltung  auf die Wahrung der ärarischen Eigentumsansprüche auf die in der Gemeinde Galtür gelegenen Kahlgesteinsparzellen in einem Flächenausmaß von 6.316,9368 Hektar. Das Eigentum der Gemeinde samt Jagdrecht wird damit anerkannt.

Das ist eine wichtige Sache, denn man kann vor der Gletschererschließung bis zum Hubschrauberlandeplatz ganz anders verhandeln, wenn die betroffenen Areale, Eigentum der Gemeinde und nicht des Staates sind.

Aus der Reihe vieler interessanter Persönlichkeiten, sei nur einer „Der alte Staner“ herausgegriffen. Er war der Besitzer des Gasthofs Rössle, später auch vom Zeinis und hat vom Rössle aus, wo man sich den Schlüssel holen musste, auch die Jamtalhütte betrieben. Der Beschreibung nach, muss er ein sehr energischer Mann gewesen sein, der sich auch von den Fremden nichts gefallen ließ.

Über ihn schreibt der berühmte Weilemann einmal: „Indessen tauchen Bedenken gegen das Betreten des Wirtshauses (Rössle) auf. Hat der Wirt um nichts und wieder nichts mit dir Streit angefangen, dir die Fäuste drohend vor die Nase gehalten, wird er sie dir auf den Buckel operieren lassen, wenn er erfährt, was du über ihn geschrieben hast….“

Er schrieb nämlich in einem Silvrettabericht, dass ihn der Staner nach wiederholten Aufenthalten nicht gekannt habe und dazu meinte: „ Ich schau nie kann Fremden an, und kenn nie kann Fremden wieder, - a Stuck Vieh aber, das ich einmal gesehen hab, kenn ich nach 6 Jahren noch!“

Das Verhältnis zwischen Pfarrer und Gemeinde war nicht immer so ungetrübt, wie heute. Speziell in den 20er Jahren, besonders 1921 kam es zum offenen Konflikt. Es ging um die Pfründe, vor allem um die Mesmerpfründe, es ging um die Anstellung und Bezahlung von Lehrer und Mesmer, gehört das Mesmergut dem Pfarrer, oder der Gemeinde. Der damalige Bürgermeister, der sonst hochverdiente Albert Lorenz wird vom Chronisten, dem damaligen Pfarre als pfarrerfeindlich eingestuft. Der herbeigerufene Dekan sei vom Gemeinderat ablehnend, ja grob behandelt worden. Man ging mit der Sache sogar bis vor Gericht.

Doch die Zeit heilte auch diese Wunde und brachte mit dem Bau des neuen Elektrizitätswerkes die Lösung des Streites. Zum Bau dieses Werkes brauchte man Grund aus dem Mesmergrund und kaufte ihn vom Pfarrer, womit man stillschweigend die Besitzrechte des Pfarrers anerkannte.

Dann schreibt der Pessimist Pfr. Wendelin Kathrein, ein erklärter Feind des Fremdenverkehrs über die Galtürer: „Es ist ihnen nichts zu teuer für Kleider und Preziosen, die Sitten schwinden, es gibt heimliche Abtreibungen und Schwangerschaften. Das ist die Rückseite der Fremdenverkehrsindustrie! Wie wird das Ende sein!?

Dazu kommt die große Gefahr der Überfremdung, ein gewisser Pernes, ein Jud, will ein Nachtlokal, noch dazu in der Nähe des Pfarrers machen. Das würde noch fehlen, ein Hurenhaus in der Nähe des Widums. Dabei hat er damals dem Zoller 16.000 Schilling für 192 m² Grund geboten. Gemeint ist sicher der Platz, an dem heute das Haus Cultura steht. So pessimistisch schreibt also der Pfarrer in den 30er Jahren.

Was aber sagt der Pfarrer von heute, fast 60 Jahre danach sind die pessimistischen Ahnungen in Erfüllung gegangen, oder nicht?

In der Radiosendung „A Stübele voll Sonnenschein“ vom 30.04.1989 sagt unser Pfarrer Luis Attems: „Nicht die Galtürer passen sich den Fremden an, die Gäste passen sich den Galtürern an. Wir sind einen Missionspfarre und haben 700 Einwohner mit 3000 Fremden, die wir bekehren. Und es stimmt – durch die Lawinen und die ständige Gefahr ist der Galtürer selbstlos, gläubig und altruistisch geworden. Er hat ein frohes Gemüt, er ist großzügig und hilfsbereit.
Zudem ist er ein grader Michel und nicht hinterfotzig. Die bösen Prophezeiungen sind also Gott sei Dank nicht eingetroffen.

Ganz zum Schluss noch: was sagt uns diese lange Geschichte in kurzen Worten?:

Die Rätoromanen haben uns den Ort und seine jetzige Lage gegeben. Sie haben den Ort gegründet und ihm den schönen Namen verliehen. Sie haben darüber hinaus dem ganzen Tal Fluren, Berge und Orte benannt, von Galtür angefangen, das auf Cultura zurückgeht bis zum Gampen, das von Campus (Feld – campuin – campieren) herstammt.

Mit diesem Namen hat sich 1000 Jahre lang unser Dialekt erhalten, das Rückgrat unserer ganzen Kultur, er war nie so sehr gefährdet wie heute, teilweise durch die Gäste, teils durch die gemeinsamen Schulen, in denen Die Dorfeigenheiten der Sprache zu verschmelzen drohen, was ja nicht das Schlimmste wäre.

Wenn ich sehe, was hier in Galtür in den letzten Jahren kultiviert wurde und was laufend zur Verbesserung der Felder getan wird, dass ist die Art der anderen Vorfahren, der Walser.

Die Wiesen und Felder innerhalb der Kirche, um ein Beispiel zu nennen sind so hergerichtet, dass man am Land draußen nichts Besseres sieht. Das ist echt Walserart, Kulturarbeit oberhalb und im Bereich der Waldgrenze. Es ist auch gut, dass hier in Galtür der Hotelier noch Bauer bleibt und ich möchte wünschen, dass sie es bleiben. Denn durch die Landwirtschaft bleibt man mit dem Boden verbunden und die drohende Überfremdung hat nicht so leicht Macht über unsere Leute. Religion und Kirche waren Zentrum der Dorfgeschichte, auch der politischen Geschichte. Ohne Religion ginge unser Eigenleben, unsere Eigentümlichkeit, ja Sprache Dialekt und Bauerntum zugrunde. Die Katastrophen können jederzeit in gleichem Ausmaß wieder kommen, wie wir sie aus der Geschichte kennen, wenn auch durch Verbauungen und andere Maßnahmen die Gefahren geringer wurden.

Diese Katastrophen und das Wissen um Sie, bringen aber den Zusammenhalt des Dorfes – Einer für alle und alle für Einen –  es entstehen dadurch nicht so leicht Feindschaften und keine Eigenbrötlerei. Das Dorf ist eine Familie, die wiederum aus Großfamilien besteht und alle halten noch wie Pech und Schwefel zusammen.

So haben wir heute eigentlich eine gute Zeit, liebe Jungbürger, und es liegt an Euch, dass sie die „ Gute Alte Zeit der Zukunft“ werden möge.

Wir haben heute zu Ehren des Dichters Johann Pfeifer, des großen Sohnes von Galtür, der vor 100 Jahren starb, eine Gedenktafel enthüllt.

Fast könnte man meinen, er hat Euch gesehen, liebe Jungbürger, als er das folgende Gedicht schrieb. Es sei, Euch zu Ehren, der Schluss dieser Rede:  

Seh’ ich Tirol an deinen Söhnen
Die frische Lebensfreudigkeit
Seh’ ich Tirol an Deinen Söhnen
Die schlichte, fromme Weiblichkeit
Da mein ich, dass an Heimatstrahlen
Das Lied am herrlichsten doch glüht,
Da mein ich, dass in Heimattalen
Ihm doch die schönste Gunst erblüht
Das ist im Herzen mächtig wieder
Der alte, liebe Wunsch entbrannt:
Mein Streben all und meine Lieder
Zu weihen dir, o Vaterland.

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